Katalog: GRAFIK_NORD_04,

1. Oktober bis 19. November 2017, Galerie der Burg zu Neustadt-Glewe

8. Oktober bis 10. November 2017, Galerie kalkschuppen, 17375 Ahlbeck, Ludwigshof 7

27. Oktober bis 25. November 2017, Galerie AURIGA, 18069 Rostock, Fischerweg 12,

 

Vorwort

Greifswald, Rostock, Schwerin, Güstrow, Bad Doberan, Barth, Brüel, Neustadt-Glewe, Neustrelitz, Bobitz, Pütte, Baumgarten, Ludwigslust, Dändorf, Godendorf, Groß Kieserow, Hohen Viecheln, Kirch Rosin, Ludwigshof, Neuenhagen, Qualitz, Zacherow - mindestens diese Städte und Dörfer muss man im Blick haben, wenn die Rede ist vom aktiven Netzwerk, das die GRAFI K_NORD seit 2014 jährlich im Herbst für ihr wanderndes Ausstellungsprojekt akquiriert. Die Produktionsstätten der Teilnehmer reichen bis in kleinste Ecken und Winkel des 23.000 km² großen Mecklenburg­ Vorpommerns. Die dort gezeugten Werke werden längst auch darüber hinaus bemerkt und geschätzt und zählen zu den verlässlichsten Stärken und Potenzialen des nördlichsten deutschen Bundeslandes. Hinter dem Label der von Hartmut Hornung, Hellmut Martensen und Peter Möller initiierten GRAFIK_NORD steckt öffentlich sicht- und erlebbar gebündelte Energie und umtriebiger Geist, gepresst in Papiere aller Formate und Farben. In diesem Jahr veranstalten die Organisatoren des Forums für künstlerische Druckgrafik bereits zum vierten Mal ihre juryfreie Leistungsschau.

32 Künstlerinnen und Künstler zeigen ab 1. Oktober auf der Burg in Neustadt-Glewe, danach in Ahlbeck/Ludwigshof [Galerie Kalkschuppen] und schließlich in Rostock [Galerie AUGIRA] rund 70 aktuelle Werke in Farbe und Schwarzweiß.

Obwohl dieser Text geschrieben wird, da die Arbeiten noch nicht an den Wänden platziert sind, lässt sich in Bezug auf deren Inhalt und Wirkung prognostizieren: Es ist ein vielseitiges, formbewusstes und experimentierfreudiges Bilderband, das die Besucher an den jeweiligen Ausstellungsorten erwartet. Gestaltet von Akteuren der Jahrgänge 1936 bis 1975. Sie alle frönen lustvoll und akribisch dem Medium der Druckgrafik von der Motiveingabe bis zur Umsetzung im Druckverfahren und machen den jeweiligen Blattabzug zu einem Unikat.

Was uns erwartet, sind spannende nach innen wie außen gerichtete heitere und auch nachdenklich stimmende Bildbotschaften zu Figur und Landschaft, Natur und Umwelt, Gegenwart und Geschichte. In nüchterner Sprachaufzählung klingen die Themenfelder recht allgemein, doch die jeweilige Darstellung ist gespickt mit Formwillen und technischer Raffinesse. Die größtenteils in 2016/17 entstandenen Hoch- Flach-, Tief- und Siebdrucke der vorrangig in Mecklenburg-Vorpommern lebenden und arbeitenden Grafikerinnen und Grafiker liefern eine erfrischende Nahrung „gegen die Flut falscher Bilder des reibungslosen Konsums unserer virtuellen Welt" (Hans Belting). In dieser GRAFIK_NORD-Schau lässt sich noch wahrhaft Imaginäres entdecken, was aus dem Wesen der Druckgrafik zu uns spricht.

Sieht man ab von den wenigen Motiven, die auf dramatische Ereignisse Bezug nehmen (kenternde Boote voller Menschen auf hoher See), erwecken die meisten der Arbeiten auf Papier Zuversicht, Harmonie, Schönheit und Ruhe, zu viel Ruhe? Nur selten finden sich auch Gesten der Verunsicherung wie in „Schwarzer Schnee", „Liberty", „Wende I und II" oder „Aufschlag". Das Tag für Tag hörbare Wort „Krieg" fungiert ein einziges Mal als Titelgeber.  Alle Energie ist in den geistigen Blick investiert. Es handelt sich um aktuelle Druckgrafik, die den Wert des Lebens preist und damit auch den Wert der Kunst bestimmt. Alles ist spannend genug festgehalten, dass man -  Luther hin oder her – (fast) ohne Tribut an diesen bzw. andere Jahrestage oder Jubiläen auskommt. Ein besonderer Platz in Katalog und Ausstellung gebührt Susanne Pfeifer aus Schwerin, die 2017 ihren 70. Geburtstag begeht.

Das Konzentrat GRAFIK_NORD besitzt ein Alleinstellungsmerkmal und ist doch zugleich auch Teil der parallel laufenden Veranstaltungsreihe „Tage der zeitgenössischen Kunst" in Mecklenburg-Vorpommern.

Der Medienwissenschaftler und Kunstpsychologe Rudolf Arnheim [1904-2007] war überzeugt, das Wesen eines Bildes sei dessen Fähigkeit, „Bedeutung durch Erfahrungen zu vermitteln". In diesem Sinne verkörpern die fast 70 Bilder dieser Ausstellung der GRAFIK_NORD ein fundamentales Prinzip, die Welt im Kleinen wie im Großen zu verstehen als einen aktiven, schöpferischen Vorgang, der viele Dinge und Details in sich trägt und bewegt. Es sind Bilder, denen man glauben kann.

Astrid Volpert

Teilnehmer

Feliks Büttner, Sylvia Dallmann, Rainer Herold, Barbara Ebert, Antje Fretwurst-Colberg, Friedrich W. Fretwurst, Felix Fugenzahn, Wilko Hänsch, Hartmut Hornung, Lydia Klammer, Heidrun Klimmey, Daniela Melzig, Rolf Kuhrt, Katrin Lau, Joachim Lautenschläger, Heide-Marlis Lautenschläger, Sibylle Leifer, Hellmut Martensen, Britta Matthies, Margret Middell, Britta Naumann, Susanne Pfeiffer, Otto Sander Tischbein, Wolfgang Reinke, Volker Scharnefsky, Manfried Scheithauer, Lucia Schoop, Wilfried Schröder, Hannes Schützler, Vera Schwelgin, Ruth Tesmar.

© 2018, GRAFIK_NORD